Harald Seiz: Wieviel ist Gold gerade wert?

Wenn jemand nach dem Goldpreis fragt, hängt die Antwort davon ab, welchen Goldmarkt er meint.Harald Seiz, Gründer und Geschäftsführer der Stuttgarter Firma Karatbars International GmbH, sagt, dass sich in den meisten Fällen die verschiedenen Goldmärkte so nah sind, dass die geringfügigen Unterschiede unbedeutend sind.

In den Wirtschaftsnachrichten möchten die Journalisten nur wissen, ob der Preis ein Teil eines größeren Trends ist, ob er fallend oder steigend ist. Unsere Eltern konnten  sich noch an den Bullenmarkt der 1970er Jahre erinnern und den damaligen Preis mit dem heutigen Preis vergleichen, und Harald Seiz fügt augenzwinkernd hinzu, dass er heute höher ist, falls man in den letzten Monaten keine Zeit hatte, Zeitung zu lesen.

Die drei entscheidenden Goldmärkte

Wenn Sie sich jedoch eingehender mit Gold befassen, sind Sie möglicherweise daran interessiert, was die Unterschiede zwischen den drei Märkten sind:

•    Spot (auch als Ioco London bekannt)
•    COMEX Futures
•    Massengeschäft

Harald Seiz, der mit seiner Firma innovative Goldprodukte für Anleger anbietet, betont, dass dies drei verschiedene Märkte sind. Das heißt, es gibt unterschiedliche Käufer und Verkäufer. Daher gibt es ein sich stets veränderndes Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Der Goldpreis in einem der Märkte ist in der Regel nicht der gleiche wie in den beiden anderen, obwohl sie oft nahe beieinander liegen.

Wenn die Preise in zwei verschiedenen Märkten normalerweise sehr nahe beieinander liegen, muss es eine Kraft geben, die sie zusammenhält. Dies passiert nicht zufällig und niemand hält ihn aus reiner Nächstenliebe stabil.

Diese Entfernung, Preis A minus Preis B, wird als “Spread” oder auch „Differenz“ oder „Spanne“ bezeichnet. Je breiter der Spread, desto mehr Geld kann ein Händler verdienen, was wiederum die Preise wieder näher zusammenrücken lässt. Dies bedeutet, dass er lieber warten möchte, bis sich die Spanne vergrößert. Der Händler hat jedoch Konkurrenten und die verfolgen natürlich die gleichen Ziele, fügt Seiz hinzu.

Ein vergleichbares Beispiel finden wir, wenn wir wöchentlich die Tankstelle unseres Vertrauens aufsuchen. Die Tankstelle möchte Ihnen zum Beispiel für € 1,30 pro Liter Benzin in Rechnung stellen, aber die Konkurrenten unterbieten postwendend diesen Preis. Ihre Tankstelle senkt also als Antwort darauf ihren Preis und irgendwann würden alle mit dem Preis-Dumping aufhören und ein vorläufiges Moratorium vereinbaren. Der Waffenstillstand tritt ein, wenn die kleinste freie Tankstelle den Literpreis nicht mehr senkt.

Bühne frei für die Arbitragehändler

Das Gleiche machen die Spezialhändler auf den Goldmärkten, die als “Arbitrageure” bezeichnet werden. Sie werden die Spanne zwischen Spot und Futures weiter verringern, bis der Gewinn aus dem Handel so weit sinkt, dass einer nach dem anderen das Handtuch schmeißt und aufhört, den Preis nach unten zu treiben.

Für Harald Seiz wird den Arbitrageuren eine Schlüsselrolle zuteil, denn Sie ermöglichen es, dass eine Handelsware oder Rohstoffe, die man auf dem Markt erwirbt, auch wieder mit einem vernünftigen Gewinn wieder verkauft werden können, Spekulationsrisiken mit einkalkuliert.

Wenn Sie beispielsweise einen 400-Unzen-Goldbarren auf dem Londoner Spotmarkt kaufen, können Sie ihn an einen Raffineur bzw. eine Raffinierie senden, um ihn in vier 100-Unzen-Barren zu gießen, die Sie dann zum Verkauf nach New York versenden können. Oder Sie kaufen ein COMEX-Future, nehmen den 100-Unzen-Riegel entgegen und senden ihn an eine Raffinierie, um ihn in 1-Unzen-Riegel zu prägen und an einen Einzelhändler zu verkaufen. Gold ist fungibel oder auf viele Arten und Weisen teilbar, daher sind diese Umwandlungen nicht nur möglich, sondern in der Regel auch relativ kostengünstig. Darin sieht Harald Seiz eine besondere Stärke des Goldes, da man es auch in kleinen Größen verkaufen bzw. erwerben kann. Damit ist Gold für ihn eines der „demokratischsten“ Wertanlagen, weil auch Kleinanleger sich auf diese Weise eine Gold-Anlage leisten können.

Normalerweise ist der Preis eines Terminkontrakts etwas höher als der Spotpreis. Dies liegt daran, dass Sie beim Kauf des Terminkontrakts jemanden dafür bezahlen, das Gold zu lagern, bis Sie es benötigen. Die Finanzierung und Lagerung des Goldes ist mit Kosten verbunden, daher ist der Preis etwas erhöht, wenn auch nicht viel.
Der Preis eines Terminkontrakts kann jedoch auch erheblich in die Höhe getrieben werden. Angenommen, der Vorsitzende der US-Notenbank, Jay Powell, kündigt an, er plane, mehrere Billionen Dollar drucken zu lassen, um absichtlich eine Inflation zu verursachen. Dies ist zwar ein äußerst unrealistisches Beispiel, dient aber der Veranschaulichung.

Wie könnten die Märkte also auf diesen verrückten Plan reagieren? Harald Seiz sagt, Händler könnten Gold kaufen. Sie würden wahrscheinlich nicht zum Münzhändler um die Ecke fahren. Sie würden sehr wahrscheinlich auf die Schaltfläche “Kaufen” auf dem Bildschirm klicken, und für die meisten von ihnen ist diese Schaltfläche mit dem Terminmarkt verbunden.